Der Siegeszug einer Trendsportart - Bericht in der Meinerzhagener Zeitung

27.07.2022

Unverhofft und unangekündigt - auf einmal stand Frank Laudien von der Meinerzhagener Zeitung vor mir. Auf die Frage, ob ich etwas vom Stand Up Paddling verstehen würde, schaute ich mich etwas um, und entgegnete in meiner Berliner Art "Ich glob' schon".

So ergab es sich, dass ich die Möglichkeit hatte, etwas über und um den Sport preis zu geben, was mich damit verbindet, und welche Intention ich bei Gründung von key2fun hatte.  Nur zwei Tage später erschien am 27.07.2022 der Artikel. Nachfolgend der komplette Wortlaut des Artikels:

Schlauchboote sind heutzutage auf Gewässern wie der Listertalsperre kaum noch zu sehen. Stattdessen sieht man überall paddelnde Menschen auf großen Waschbrettern stehen. Stand Up Paddling (SUP) nennt sich die trendige Sportart, die inzwischen immer mehr Anhänger findet. Obwohl das Stand Up Paddling noch recht neu am deutschen Markt ist, gibt es das eigentlich schon seit langer Zeit. "Erfunden wurde es etwa 1880 von Fischern in Polynesien, die auf ihren Bambusflößen von Insel zu Insel und zu ihren Angelrevieren paddelten", erklärt Maik Wieloch. Der Paddle-Profi steht schon seit rund 20 Jahren auf den "Boards". Zuerst durchpflügte er jahrelang mithilfe eines Segels die Wellen beim Kitesurfing, jetzt hat auch ihn das SUP-Virus infiziert.

"Um 2010 ist die Sportart nach Europa gelangt. Für mich war es etwas Neues. Man muss dafür nicht ans Meer fahren, es funktioniert auch auf Binnengewässern", hebt er aus seiner Sicht die Vorteile hervor. Von Stand Up Paddling war Maik Wieloch so überzeugt, dass er im vergangenen Jahr sogar ein Startup-Unternehmen gründete und seit diesem Jahr regelmäßig mit einem Infostand nebst Board-Verleih auf dem Parkplatz neben dem Kiosk an der Kalberschnacke steht.

Katja Schulz und ihre Tochter Nina gehören zu den typischen Kunden des Drolshageners. "Wir wollten mal etwas gemeinsam machen", verrät Nina. Ihre Mutter stand schon öfter auf dem Board und findet es immer wieder toll: "Das ist überhaupt nicht schwer." Ein eigenes Board zu kaufen, würde sich für den gelegentlichen Wasserspaß nicht lohnen, deshalb sind die beiden Lüdenscheiderinnen froh, dass sie sich die Bretter an der Lister auch ausleihen können.

"Mit Sicherungsleine?", fragt Maik nach und ergänzt seine Frage auch gleich mit einer Erklärung: "Falls ihr mal ins Wasser fallt, und euch verlassen die Kräfte, könnt ihr das Board mit der Leine zu euch ziehen." Auch die Länge des Paddels muss den Nutzern angepasst werden. "Stellt das Paddel direkt neben euch und verlängert es so weit, dass es etwa 20 bis 25 Zentimeter über euren Kopf hinausgeht", sagt er und demonstriert das auch gleich neben seinem Pavillon. Wer mit Maik spricht, wird übrigens geduzt. Grundsätzlich. Denn "beim Boardsport gibt es kein Sie."

Jeder, der sich ein Board ausleiht, bekommt noch zwei Hinweise mit auf den Weg. "Ihr dürft überall hinfahren, außer in die Bereiche, die durch Bojen abgesperrt sind. Und die motorisierte Schifffahrt, also die DLRG, hat immer Vorfahrt."

Mehr als diese beiden Regeln muss er Paul und Phillip Beckmann auch nicht erklären. Die beiden Lübecker sind schon alte Hasen in der Sportart. In ihrer Heimat paddeln sie oft auf verschiedenen Gewässern. Sie machen derzeit mit ihrer Familie Urlaub im Sauerland und nutzen an sonnigen Tagen gerne die Gelegenheit, mit den geliehenen Boards etwas Spaß haben zu können.

Zwei Stunden haben die Lübecker jetzt Zeit, um in Ruhe über die Wellen der Listertalsperre zu gleiten. Nachdem sich die beiden in die Fluten des Sees gestürzt haben, erreichen Jens und Silvia Krallmann das Ufer. Sie haben ihre eigene Ausrüstung mitgebracht und kommen so oft es geht aus Freudenberg hierher. "Wir machen das seit etwa drei Jahren", verrät Silvia. Was sie an der Sportart so fasziniert, "das ist die Verbindung zwischen Wasser, Sport und das Entdecken der Natur." Die beiden sind nicht nur auf der Lister unterwegs. "In Olpe gibt es ganz viele SUP-Gruppen", wissen die SUP-Fans. Montags treffen sich alle am Olper Bootshaus.

Das Boomen der Boards kann sich Jens auch durch die lange Coronazeit erklären: "Viele haben sich einen Sport gesucht, den man auch draußen ausüben kann. Auch mit genügend Abstand". Seine Frau kann sich noch daran erinnern, dass sie fast die einzigen SUPler auf der Lister waren. Heute sei man einer von vielen. Dabei gebe es bereits weitere Trends innerhalb des Sports. "Es wird regelmäßig SUP-Yoga auf der Bigge angeboten", weiß Silvia. Das sei allerdings nicht für jeden etwas. "Ich mache selbst seit zehn Jahren Yoga, aber dabei muss man schon eine extreme Körperbeherrschung mitbringen." Die Lister, da sind sich beide einig, sei ein perfektes Gewässer für diesen Sport: "Es bietet viele verschiedene Anforderungen. Für alle Fähigkeiten ist hier etwas dabei."

Für diejenigen, die es auch mal mit dem Stand Up Paddling versuchen möchten, hat Silvia Krallmann noch einen Tipp parat: "Dranbleiben! Immer weiter probieren und trainieren!" Auch die Jahreszeit sei entscheidend. Wer erst im Spätsommer startet, werde mit den sinkenden Wassertemperaturen auch schnell die Lust am neuen Hobby verlieren, meint sie.

Ein paar Tipps für Neueinsteiger hat auch SUP-Profi Maik Wieloch übrig: "Für den Anfang sollte man sich einen Fachkundigen suchen, der eine komplette Einweisung gibt." Der Sport soll Spaß machen, deshalb sollte es gleich von Anfang an richtig gemacht werden. Sofort ein Board zu kaufen, würde er nicht empfehlen, obwohl er selbst vom Verkauf des kompletten Zubehörs lebt. "Man sollte erst einmal ausprobieren, ob das überhaupt der richtige Sport ist und man sich dabei wohl fühlt."

Für die Praxis empfiehlt er drei wichtige Schritte: "Zuerst sollte man sein Popometer einschalten und ein Gefühl für das Board entwickeln." Wird das Board be-stiegen, empfiehlt er, sich zunächst darauf hinzuknien. "Dann kann man das Paddel vor sich stellen und langsam daran hochziehen - als drittes Bein sozusagen." Zum Schluss folgt noch ein kleiner psychologischer Trick: "Wenn man dann steht, wird zunächst das Paddel eingestellt. Dadurch konzentriert man sich nicht mehr aufs Board, sondern mehr auf das Paddel. Das hilft."

(C) Frank Laudien für die Meinerzhagener Zeitung vom 27.07.2022